Veröffentlicht in Allgemein

Putztante, Perle oder Knecht für alles

Irgendwann gab es eine Zeit, da haben meine beiden Freundinnen und ich angefangen, als unsere Kids im Kindergarten kamen, zu überlegen, das wir mal etwas Sinnvolles machen könnten. Arbeiten. So wurden wir alle 3 Perlen. Angeregt von Chaoslu, kam diese Zeit wieder in meine  Erinnerung zurück.

Meine erste Stelle war bei einer „netten“ Familie, dort war ich aber eher eine Haushälterin und Tagesmutter. Papa und 3 Kinder im Alter von 8, 13 und 15. Das ältere Kind war ein stark pupertärendes Mädchen. Höflich und nett. Nett waren auch die beiden Jungs. Die Mutter war nur in den Ferien vorort, da sie ein Hotel auf einer Insel betrieb. Ich glaube eher, das sie vor ihrer Familie geflohen ist. Meine Aufgaben waren Hausaufgaben machen , Kochen für die Kinder und etwas putzen. Am ersten Tag habe ich das komplette Haus auf Vordermann gebracht. Es war etwas chaotisch dreckig. Hausaufgaben nebenbei mit dem Kleinen gemacht und gekocht. War ein toller erster Arbeitstag. Wenn ich mich recht erinnern kann, war ich von Mittwoch bis Freitag dort. Natürlich durfte ich abends nach Hause. Der Teeniezwerg, damals noch im Kindergartenalter war an diesen Tagen bei Oma und Opa oder ab und an durfte sie auch mit. Gleich am 2. Tag gab es den ersten Einlauf. Warum haben sie das ganze Haus geputzt? Hatten sie nichts anderes zu tun? Äh. Ja. Ne. Ich dachte…. . Sie sollen ihre Aufgaben machen und sonst nichts! Ok. So richtig habe ich die Aussage des Vaters nicht verstanden. Ich habe Hausis mit den Kindern gemacht, sie haben eine warme Mahlzeit bekommen und die Küche war danach auch sauber, so wie der Rest des Hauses. So ging es danach nur. Wieso haben sie nicht die Wäsche gewaschen? Äh. Weil es nicht meine Aufgabe…… . Warum machen sie nicht das, wofür ich sie eingestellt habe? Gut, am nächsten Tag habe ich dann die Wäsche gewaschen, schön sortiert nach Farben, damit auch nichts schief gehen konnte. Puh, irgendwie war ich schon in der ersten Woche etwas angespannt. Die Woche darauf, kam der Vater erst spät nach Hause, den musste ich mir zum Glück dann nicht mehr antun. Dafür kam der mittlere Sohn ziemlich arrogant zur Begrüßung auf mich zu. Wieso hast du meine 5 € mit gewaschen. Die kannst du mir jetzt ersetzen! Wieso leerst du deine Hosentasche nicht? Ha. Gegenfrage! Das ist doch deine Aufgabe. Papa zahlt schliesslich dafür! Mein Zimmer ist auch dreckig! Darf man fremde Kinder hauen? 2 Wochen habe ich noch durchgehalten.An einem Freitag habe ich auf den Vater gewartet und ihm gesagt, das ich kündige. Wieso denn das? Das fragen sie noch? Ich habe keine Lust mehr mich hier jeden Tag abzuärgern und ihre Kinder sind arrogant und verzogen! Aber wie sollten sie es auch anders lernen?! Ich bekomme noch Geld für diese Woche! Wow, wie ging es mir gut danach!

Durch Zufall bekam ich eine Woche später eine Putzstelle bei einem älteren Ehepaar. 200qm Wohnfläche über 3 Etagen. Einmal die Woche für 3 Stunden. Die Frau war sehr mütterlich und wir haben uns super verstanden. Ich war bei dieser Familie 8 Jahre. Habe in den Ferien auf das Haus aufgepasst, Blumen gegossen und ….es hat einfach Spaß gebracht. Auch wenn ich nach diesen 3 Stunden schrott war. In dieser Zeit war es unmöglich ein so großes Haus zu säubern. Nun denkt ihr sicherlich, wie können 2 Menschen das ganze Haus dreckig machen. Es geht. Und es war oft Besuch da. Die Kinder waren im ganzen Land verstreut und kamen oft auf ein paar Tage vorbei-mit ihren 2-4 Kindern. Einen Hund gab es auch. Die Frau kochte wie der Teufel. Durfte oft kosten oder auch mit essen, einfach himmlisch. Aber danach sah die Küche aus…sie tobte sich aus.

Jetzt zur Weigerung der Perle von Chaoslu!

Letzte Woche weigerte sie sich einfach, die Toiletten zu putzen. Ich war sprachlos! Okay, unsere Große hatte ne Bremsspur hinterlassen. Nein, ich finde, von einer Achtjährigen muss man noch nicht erwarten, dass sie das Problem selber löst.

Das Ehepaar war weit über 8 Jahre. Und ganz ehrlich, ich hatte jede Woche das Gefühl, als wenn sie noch mal extra bevor ich kam, auf die Toilette gegangen sind! Immer! Von wegen Erwachsene sind da erwachsener und säubern, bevor die Perle kommt, das Haus. Später hatte ich nebenbei eine weitere Stelle. Genau das Gleiche. Aussen hui, innen pfui! Schlimmer fand ich die ganzen Haare im Duschbecken. Schamhaare. Alles voll. Davor konnte ich mich echt gruseln. Oft habe ich mich gefragt, wieso man das nicht weg macht, wenn man weiss, das gleich jemand kommt!? Übrigens hatten meine beiden Freundinnen die selben Problem, ausser eine, die hatte eine Stelle bei einem schwulen Paar. Dort war alles sauber. Meine 3. Stelle war bei einer alten Bekannten von meinen Eltern. Die hatte ganz andere Probleme. Sie war alleine und freute sich, wenn ich kam.Und ihr Schnaps mitbrachte.  Irgendwann sollte ich in den Keller und Essdosen hoch holen. Ich erschrak. Der Keller war voll mit leeren Schnapsflaschen. Die Dame kannte ich von Kleinauf und da ich immer ziemlich direkt bin, sprach ich sie drauf an. Erst vorsichtig, nach dem Motto, ich werde mal nach und nach die leeren Flaschen entsorgen. Was freute sie sich. Ich brauchte Monate dafür ( immer schön alle in den Fahrradkorb gestapelt). Tot gearbeitet habe ich mich bei ihr nie, dafür war sie immer sehr großzügig. Habe aber auch alles bei ihr gemacht, sogar den Garten. Sie unterhalten, eingekauft. Irgendwann fragte sie mich die Frage, auf die ich schon lange wartete:  Bringst du mir Schnaps mit? Der ist gerade im Angebot! Ich habe lange mit mir gekämpft, das habe ich ihr auch so gesagt. Natürlich wollte sie den Schnaps auch nicht für sich haben, sondern für den Besuch, der nie kam. Sie bekam ihren Schnaps. Meine Gedanken waren, das sie über 70 ist, alleine lebt und alt genug ist, um zu wissen was sie tut! Und etwas Spaß sollen ältere Menschen auch haben. Wir haben oft darüber gesprochen und ich konnte sie überreden auch mit ihrem Hausarzt dieses Thema antzusprechen. Mittlerweile ist sie trocken, nach 2 Krankenhausaufenthalten!

Es ist schon spannend, bei anderen Menschen zu putzen. Manchmal erniedrigend ( Klos), ab und an witzig und ich finde recht intim. Soviel Einblick in ein anderes Leben erfährt man sonst wohl nie. Es steckt voller Vertrauen vom Arbeitsgeber. Es entwickeln sich Freundschaften , aber auch Feindschaften ( 1. Stelle ), man lernt die Menschen anders kennen, als auf normalen Wege.

Advertisements

Autor:

wild beherrscht lieb kompliziert normal chaotisch anders meer liebend kreativ tätowiert mutter frauchen ehefrau geliebte freundin rabenmutter köchin photografin bullifahrerin exseglerin exaupair lebend erfrischend lustig sensibel ich

15 Kommentare zu „Putztante, Perle oder Knecht für alles

  1. Danke für diese Ein-Sichten! Da hattest Du ja echt schon einige Prachtexemplare. Es ist schon Hammer, wie manche Menschen mit Menschen umgehen, die eigentlich dazu da sind, ihnen den Alltag leichter zu machen. Die Geschichte mit dem Schnaps fand ich besonders krass. Dazu muss man wissen, dass ich auch lange gebraucht habe, bis ich herausgefunden habe, dass meine Schwiegermama säuft. Ihre Tochter, die das Zeugs rangeschafft hat, wusste das, meinem Mann war es so auch nicht klar. Beide waren der Meinung: Was soll schon passieren, sie ist über 70. Was passierte, war ein Schlaganfall, bei dem wir nicht schnell genug reagierten, als sie taumelte und Doppelbilder sah. Wir dachten einfach, Madama hat sich wieder einen genehmigt. Was passierte, war ein Krankenhausaufenthalt mit kaltem Entzug, weil in der Klinik keiner wusste, dass sie süchtig war. Hatte meine Schwägerin irgendwie vergessen, zu erwähnen. Jetzt ist sie trocken – gezwungenermaßen, sie lebt auch im Heim, und bei Familienfeiern bekommt sie immer einen alkoholfreien Sekt. Ich finde Alkohol-Abusus gerade bei älteren Menschen schwierig, denn wenn die im Suff fallen, brechen sie sich gern die Hüfte oder so was, und dann sind sie, zack, von heute auf morgen ein Pflegefall. Deshalb finde ich es toll, dass Du sie überreden konntest, mit dem Arzt zu sprechen, und es so ein „Happy End“ gab.

    Unsere frühere Perle gehörte echt richtig zur Familie, hat sich immer gefreut, wenn die Kinder mal da waren. Meine Mama hat „ihre“ Perle sogar zu ihrem 70. Geburtstag eingeladen, weil sie „zur Familie“ gehört. Sie war früher auch bei vielen Familienfeiern als Bedienung und Hilfe mit dabei – dieses Mal als Gast. Das fand ich auch total schön, und ich habe mich mal richtig privat mit ihr unterhalten.

    Mir als „Arbeitgeberin“ ist eine faire Bezahlung und ein vertrauensvolles Verhältnis wichtig. Ich bemühe mich nach Kräften, die Wohnung so aufzuräumen, dass sie einigermaßen „wirken“ kann. Aber es gibt halt auch Grenzen bei mir – zum Beispiel, dass ich nicht morgens die Klos putzen kann, basta.

    Gefällt 1 Person

  2. Das habe ich in meinen ersten Jahren in Dänemark auch versucht, aber bekam dann Anrufe, wo man mich nach meinem Alter befragte (???) und andere merkwürdige Bemerkungen, bis ich dann raus hatte, dass die Herren nach Sex aus waren. Ich hatte gesehen, dass eine Frau „kein Sex“ in ihre Annonce geschrieben hatte, aber irgendwie nicht geschaltet.
    Unverständlich, weil zwei Seiten weiter in derselben Zeitung Sex-Annoncen en gros und in allen Variationen zu finden waren. So freizügig und doch so verklemmt?

    Gefällt 1 Person

  3. Ist wirklich interessant.Da kann man schon Sachen erleben…Ich habe früher bei dem Sohn meiner damaligen Vermieter sauber gemacht.Kann mich nicht beklagen,aber als ich in meinem Job wieder Vollzeit gearbeitet habe,habe ich dort aufgehört und war auch froh darüber…

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s