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Leben mit Pubertiere

Ich bin tierlieb,keine Frage. Wollte schon immer einen Zoo haben. Aber von einem Pubertier war nie die Rede. Kannte diese Gattung auch nur von Erzählungen und wäre nie auf die Idee gekommen ,einmal selbst so eins zu haben.

Nun hab ich eins und kann es auch nicht zurück geben. Nach 16 Jahren trennt man sich ja auch nicht so schnell von etwas,was einem lieb geworden ist. Ich wüsste auch niemandem, dem ich das zumuten mag. Übrigens ist es auch verboten Pubertiere abzugeben. Weiter zugeben. Zu Verkaufen.

Vor ungefähr 1 Jahr war diese Umwandlung von Kind zum Pubertier. Ganz plötzlich,ohne Vorwarnung. Eine tatsächliche Umwandlung, wie zum Beispiel bei Schmetterlingen gab es nicht. Abends ging das Kind ins Bett und morgens stand plötzlich ein Pubertier vor einem. Was für ein Schreck sag ich euch. Abends süß. Morgens Ungeheuer.

Für vieles gibt es Mittelchen, um dem ein Garaus zu machen. Gerte,Leinen,Würger, Sporen…..Aber bei den Pubertieren gibt es nichts. Aber auch gar nichts. Vielleicht Baldrian für einen selber.

Pubertiere sieht man wenig. Aber man erkennt ihre Spuren. Da ein Teller,dort ne Gabel….Hier eine leere zerknüllte Dose,dort dreckige Wäsche. Nasse Handtücher zeigen einem den Weg vom Bad zum Zimmer,in dem Pubertiere hausen. Von der Dusche sieht es aus wie am Strand bei Flut. Überschwemmung. Da zahlt nicht mal die Versicherung.

Wer das weg macht? Irgendwann ich. Wenn mal wieder das Geschirr zur Neige geht. Wenn mal wieder das Wasser droht durch den Fußboden zu sickern. Wenn das Pubertier dreckig rumläuft.

Es gibt Momente,das wird das Pubertier vom Kind weggedrängt. Dann hat man plötzlich ein Kind vor sich stehen. Kaum hat man es registriert, schon ist es wieder weg. Meistens,wenn man das Wort NEIN ausgesprochen hat. Oft schon bei dem ersten Buchstaben N. Das ist wie eine Explosion ohne Knall und Rauch.

Ein normales Gespräch kann man kaum noch halten. Regeln gibt es nicht mehr. Denkt das Pubertier. Ab und an hört es auch mal. Aber das ist selten. Also einen Hundeführerschein oder ähnliches könnte man nicht mit einem Pubertier schaffen. Da würde man durchfallen.

Will es etwas haben,schleicht es um einen rum, ja und es schleimt. Und wie. Es gibt in solchen Momenten alles. Wirklich alles. Bleibt man hart, weil man es nicht als gut empfindet oder es einfach nicht will,mutiert dieses Pubertier plötzlich zu etwas anderem. Aus schleichen,wird stampfen. Aus schleimen,ein böses Zischen. Dieses Unterton habe ich schon einmal gehört. Aber wo?

Das Pubertier wird noch schlimmer. Es knallt dann mit den Türen,redet in einem Ton mit mir,als wenn wir in der untersten Gosse leben. Respekt ein Fremdwort.

Wie ihr sicherlich schon gemerkt habt,ist dieses Pubertier keine Tier. Tiere würden sich nicht auf diese Stufe setzen. Würden nicht den Respekt verlieren. Sie würden hören,machen….meistens ohne Muck.

Es handelt sich um einen Menschen. Zwischen Kind und Erwachsen. Irgendwo im Nirvana. In der Pampas. Im Nirgendwo. Im Dschungel der Gefühle. Kurz vorm Abgrund. Unverstanden. Ungeliebt. Hässlich. Erwachsen. Kind. Nicht loslassen. Armes Geschöpf.

Man könnte echt Mitleid haben. Aber nur wenn man es nicht selbst miterlebt.

Nach solchen Ausbrüchen kommt das Pubertier oft wieder angeschlichen. Nein,nicht persönlich. Sondern über Whatsapp: tschuldigung.

In solchen Momenten werde ich wieder soft. Nein. Nein. Das Pubertier meint es nicht ernst. Da bin ich schon oft drauf reingefallen . Ich habe danach einmal ein Telefonat gehört. Natürlich ausversehen. Zwischen 2 Pubertieren. Nein,den Wortlaut habe ich wieder vergessen. Verdrängt. Aber es wurde gelacht. Nein. Nicht fröhlich. Sondern eher gehässig. Wie schnell man doch eine Mutter weich bekommt. Haha. Das saß. Seitdem falle ich nur noch wenig rein. Aber das Mutterherz ist doch größer und ich habe Mitleid mit dem Pubertier. Selten lange.

Irgendwann ist das Pubertier wieder geheilt und wird echt erwachsen und bekommt dann vielleicht auch ein oder zwei oder mehrere Pubertiere. Darauf freue ich mich. In dieser Zeit werde ich kein Telefon besitzen. Werde unbekannt verzogen sein…..Da muss das Pubertier dann ganz alleine durch😂

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25 Kommentare zu „Leben mit Pubertiere

  1. Wenn dein Pubertier ernst genommen werden will, sollte es die Konsequenzen spüren. Wie soll es sonst lernen, dass Respekt vor den Eltern durchaus wichtig ist.

    Was lernt es stattdessen ? Ich kann machen, was ich will und bin schnell aus dem Schneider.

    Hormone sind keine Entschuldigung. Nie. Nicht in der Pupertät und auch nicht in den Wechseljahren.

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    1. Respektlosigkeit ist heute wohl Gang und Gebe….höre ich oft, eigentlich nur noch von dieser Generation. Wir haben hier unsere Regeln,da muss sogar das Pubertier durch. Auch wenn es dann viel Krach gibt…..
      Ich glaube das ist jetzt eine schlimme Generation von den Eltern,die nicht nur Mutter oder Vater sein wollten,sondern Freunde der Kinder….dumme Idee😉

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      1. Das ist aber uuuunheimlich politisch korrekt und fördert die Entwicklung und Selbsterkenntnis der achso geschundenen jungen Kinderlein …

        Regels sind gut. Verstöße dann aber auch mit Konsequenzen, ansonsten ist es vergebene Liebesmüh.

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    1. …übrigens musst du nicht neidisch sein….Ich hab schon Angst vor der Wasserabrechnung. Stunden steht sie unter der Dusche. Vorspülen. Ach….geht noch mal. Einseifen. Abspülen. Noch mal. Ach….Einer geht noch….ne. Noch ne Runde….Ach. Hab ich schon Seife gehabt?Also noch mal Einseifen. ….und so weiter…..😣

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      1. Das kenne ich auch. Als wir ein Pubertier hatten, stand das auch sehr lange unter der Dusche. Danach sah das Bad aus wie ein Hallenschwimmbad. Aber zum Glück haben wir es schon lange ausgewildert und hat mittlerweile selbst ein Pubertier. Oh ich spüre gerade eine klammheimliche Freude in mir hochsteigen. 😀

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      2. 😂 beim Gehirnumbau werden sie sehr vergesslich. Deine vergisst vielleicht, dass sie sich schon mal eingeseift hatte. Meiner vergisst zu Duschen. Meine Nase leider nicht 🙄.

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  2. Was ich an diesem Zustand Pubertät so bemerkenswert finde: Der Heranwachsende fühlt das alles ja wirklich so, als ob alle ungerecht sind und was noch. Und irgendwann ist das dann wieder vorbei, und die Vernunft kommt wieder (meistens zumindest). Ist schon ein echtes Chaos. Wünsche euch ein gutes Nervenkostüm…

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    1. …Ich selber,möchte nicht mehr pubertär sein. Laut meiner Mutter habe ich diese Form vom Erwachsenwerden übersprungen oder still durchgemacht. Ich glaub einfach ist es für die Pubertiere nicht. Gerade weil wir Eltern und der Rest der Welt ja auch so ungerecht und böse sind….

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  3. Ich denke mit diesem Artikel sprichst Du vielen aus der Seele, auch mir, denn mein Püppchen ist auch 16. Ich finde es macht Spaß zu lesen, denn Dir ist scheinbar nicht der Humor vergangen und das ist auch gut so 🙂 Manchmal bleibt einem auch nichts anderes übrig, als die Dinge mit Humor zu nehmen, denn die tiefe Liebe einer Mutter bleibt. Mir persönlich hilft es immer sehr, mich daran zu erinnern, dass auch wir diese Zeiten durchmachten. Mich zu erinnern, wie es mir ging und ich gewesen bin. Für eine Mutter ist es nicht immer leicht mit der Pubertät des eigenen Kindes umzugehen. Schließlich gab es keine Bedienungsanleitung mit dazu, als sie geschlüpft sind. Wir haben immer die Bilder der niedlichen kleinen Zwerge vor Augen, die wir geboren und erzogen haben und von manchem scheint nicht so sehr viel übrig zu sein. Doch haben es die Teenies auch nicht leicht. Diese ganzen Hormone und komischen Dinge, die im Körper passieren, sind nicht so einfach bis manchmal gar nicht einzuordnen und sicher auch beängstigend. Mir ging es so, da ich oft nicht wusste, warum ich jetzt eigentlich schlecht gelaunt war und doch war ich es. Aber auch diese Zeiten gehen vorbei und dann bekommen wir unsere Kinder wieder. Anders als früher, aber sie kehren zu uns zurück. 🙂

    Liebe Grüße Nicole

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